Louisa in Tansania

Im letzten viertel Jahr bin ich viel gereist und habe einiges gesehen und erlebt. Meine erste große Reise war im November zusammen mit 5 Kindern und einer Schwester aus Loreto. Unser Reiseziel war eine Rehaklinik, in der auch eine Werkstatt für Prothesen ist. Alle 5 Kinder haben Stümpfe. 2 der Kinder von Geburt an, die Anderen auf Grund von Verbrennungen.

Verbrennungen sind in Tansania sehr häufig und besonders viele Kleinkinder sind hier, auf Grund der offenen Feuer- und Kochstellen, der Gefahr ausgesetzt. Nur sehr wenige haben einen Elektro-oder Gasherd. Gekocht wird meist in kleinen Feuerschalen auf dem Boden, gut erreichbar also für neugierige Kinder. Da die Kinder noch alle wachsen brauchen sie immer wieder neue Prothesen. Bis zu diesem guten Prothesenbauer mussten wir 8 h mit dem Auto fahren. Hier in der Region gibt es dafür kaum Fachleute und die Prothesen werden nicht so professionell gemacht, gehen schnell kaputt. Für die Kinder ist es wichtig, dass sie Prothesen haben die wirklich passen denn sie brauchen diese jeden Tag und von einem ungleichmäßigen Gang bekommen sie schnell weitere Probleme wie z.B. Rückenschmerzen. Deshalb war es besonders für Nuhu wichtig, dass er endlich einen Orthopädischen Schuh/eine Prothese bekommt. Er ist bereits 14 und kann sich an den Verbrennungsunfall nicht mehr erinnern. Sein Fuß/Stumpf ist ziemlich deformiert, weshalb ihm vorher noch niemand helfen konnte.

Jede Prothese hat ca. 300€ gekostet und wurde durch Spenden finanziert. So wurde im November Maß genommen und Gipsabdrücke gemacht für neue, qualitativ bessere Prothesen.

2 Monate später, im Januar haben wir die gleiche Reise wieder angetreten. Auch dieses Mal gab es wieder das „typische“ Reiseessen. Gekochtes Hühnchen und dazu Half-Cake (trockener Kuchen im Fett rausgebacken), Soda darf natürlich auch nicht fehlen.

Diese Mal wurden die halb fertigen Prothesen anprobiert, getestet und immer wieder verbessert bis schlussendlich es nirgends mehr weh tat und der Gang zufriedenstellend war. Für mich war es sehr spannend zu beobachten wie langsam aus einem Holzfuß und einer Plastikhülse für den Stumpf, eine Prothese wird. Nach 14h warten und testen konnten wir zusammen mit 6 neuen Beinen wieder nach Hause fahren.

Im Dezember waren endlich die großen Sommerferien für die Kinder. Insgesamt waren sie einen Monat Zuhause bei ihren Verwandten. Da war es dann plötzlich ganz schön still in Loreto. Auch war kaum Arbeit da, ohne die Kinder. Außerdem hat im Dezember die Regenzeit angefangen, ein Segen für die Felder. Das mühsame 2x tägliche bewässern von Hand viel somit weg. In dieser Zeit hat sich in Loreto einiges verändert. So wurden zum Beispiel auch mehr Arbeiter eingestellt. Meine Arbeitsfelder wurden immer weniger. Deshalb habe ich dann bis Weihnachten im Waisenheim St. Katharina, der Einsatzstelle von Clara mitgearbeitet. Dort haben 20 Kinder im Alter von 0-5 ein Zuhause gefunden und besonders Menschen die sie versorgen. Mit dem Fahrrad bin ich jeden Morgen in die Stadt gefahren und wurde herzlich von den Kleinen empfangen.

In St. Katharina

Weihnachten stand dann auch plötzlich vor der Türe. Eigentlich dachte ich, dass ich dieses Jahr die Adventszeit etwas intensiver erlebe, ohne den ganzen Weihnachtsstress. Aber es war irgendwie einfach mehr Sommerferien-Stimmung als besinnliche Adventsstimmung. Sehr spannend wie man doch von kulturellen und klimatischen Einflüssen geprägt ist. Weihnachtszeit ohne Kälte, Gewürzduft, Naschereien, Adventskranz,… ist irgendwie einfach nicht „Weihnachten“. Die Weihnachtsstimmung kam dann bei mir aber trotzdem auf und zwar in der Heiligen Messe. Das gesungene Krippenspiel der Novizinnen hat dazu beigetragen. Besonders die Gestaltung und die schönen Stimmen haben mein Herz berührt.

Für mich war es eine sehr schöne Erfahrung Weihnachten ohne Geschenke, außerhalb einer Konsumgesellschaft zu feiern. Dieses Weihnachten habe ich gelernt, bzw. mich erinnern können warum wir eigentlich Weihnachten feiern und besonders worauf es an Weihnachten eigentlich wirklich ankommt.

Nach den Weihnachtsfeiertagen habe ich mich mit Clara und Franziska auf den Weg nach Sansibar gemacht. Dort haben wir uns mit unseren anderen Mitfreiwilligen aus dem Norden von Tansania getroffen um gemeinsam etwas Urlaub zu machen und ins neue Jahr zu starten. Sansibar, eine Trauminsel von der man gar nicht mehr weg möchte. Sehr spannend war wie anders die Kultur, die Menschen und das Klima dort sind. Sansibar hat sogar eine historische Altstadt was für Tansania etwas sehr besonderes ist. Mit dem Arabische Einfluss und der überwiegend muslimischen Bevölkerung habe ich mich in Stone Town, der Altstadt, in ein orientalisches Land verzaubert gefühlt, während es am Strand wie in der Karibik war.

Leider konnte ich Zuhause nicht gleich wieder durchstarten, da ich Malaria hatte und danach erkältet war. So habe ich mich vormittags ausgeruht und nachmittags mit den Kindern gespielt.

Mit dem neuen Schuljahr sind insgesamt 13 neue Kinder gekommen, alle ca. 5-6 Jahre alt. Da sie noch nicht so lange Schule haben und auch danach weitgehend von Hausarbeit freigestellt sind, hatte ich Zeit mit ihnen zu spielen. Eine sehr schöne Zeit die sowohl ich als auch die Kinder sehr genossen haben. Für Tansanische Kinder ist es nicht selbstverständlich zu „spielen“ wie wir es aus Europa kennen. Meist ist dafür keine Zeit. Besonders mit Spielsachen ist es etwas ganz besonderes, dafür ist Zuhause selten Geld da. Dass spielen wie z.B. puzzeln auch als Lernprozess gesehen werden kann und die Kinder dabei auch viel anderes wie z.B. Sozialkompetenz lernen ist hier noch nicht oder kaum verbreitet, somit wird darauf weniger Wert gelegt. Umso mehr haben wir uns deshalb gefreut dieses Privileg genießen zu dürfen. Es war einfach wunderschön zu beobachten wie die Kinder sich daran erfreuen. Besonders Lego war sehr angesagt. Fleißig wurden Häuschen und Autos zum Spielen gebaut. Die kleinen Mädchen haben sich auch gefreut wenn sie zusammen mit mir ein Puzzle machen konnten, dabei wurde dann auch mal ganz nah an mich herangekuschelt oder auf meinen Schoß geklettert. Besonders begeistert hat mich dabei Theodosia. Sie

ist etwas geistig zurück geblieben aber hat sehr sehr gut, im Vergleich zu ihren schulischen Leistungen, puzzeln können. Sowohl Ehrgeiz, Durchhaltevermögen und Können ist vergleichbar mit den Zweitklässlern, dabei ist sie noch in der Vorschule und hat immer noch Schwierigkeiten ihren Namen zu schreiben.

Die Energie und Lebensfreude mit denen diese Kinder tagtäglich mit ihren Schicksalen umgehen begeistert mich immer wieder. Von diesen hoffnungsvollen Energiebündeln kann man sich wirklich eine Scheibe abschneiden!

Ende Februar sind wir erneut nach Dar es Salaam mit dem Bus aufgebrochen. 18h Fahrt! Hört sich sehr unangenehm an, ich finde aber, dass die Zeit dann doch relativ schnell vorbei geht. Unser Ziel war das Zwischenseminar in Dar es Salaam. Dieses ist, wie auch die Vor-und Nachbereitungsseminare Pflicht. Während der Woche haben wir viele tolle Gleichaltrige kennen gelernt, die dasselbe wie wir machen. Es war sehr schön sich gegenseitig auszutauschen, reflektieren und Kraft für das nächste halbe Jahr zu schöpfen.

Zurück ging es mit dem Zug. Über einen ganzen Tag sind wir in gemütlichem Tempo auf der historischen Zugstrecke aus der deutschen Kolonialzeit gefahren. Ein wunderbares Erlebnis, denn wir hatten in der erschwinglichen ersten Klasse unser eigenes 4er Abteil und haben uns die Zeit mit der schönen Landschaft und Karten spielen vergnügt.

Auf dem Zwischenseminar habe ich die Entscheidung getroffen, dass ich das restliche halbe Jahr nicht mehr in Loreto bleiben möchte, sondern noch einen anderen Konvent der Schwestern kennenlernen möchte. Da wir nur noch drei Freiwillige sind und es 4 Einsatzstellen gibt, bestand die Möglichkeit etwas Neues zu sehen und kennenzulernen. In ein anderes Arbeitsumfeld hinein zuschnuppern und neue Menschen, eine neue Gegend kennenzulernen.

Diese Möglichkeit habe ich genutzt und bin jetzt seit 3 Wochen an meiner neuen Einsatzstelle dem Health Care Center (kleines Krankenhaus) von Kigonsera. Kigonsera liegt ca. 1h von Mbinga weg, ist ein kleines Dorf und liegt etwas auf dem Berg. Dort haben vor ganz langer Zeit deutsche Missionare eine Missionskirche und das zugehörige Kloster erbaut. Beides wunderschön mit Spitzdecken. Hier im Konvent lebe ich mit 5 sehr herzlichen Schwestern und habe mich vom ersten Tag an sehr willkommen und wohl gefühlt. Auch meine neue Arbeit macht mir sehr Spaß und es ist ein schönes Gefühl gebraucht zu werden. Hauptsächlich arbeite ich mit der Schwester in der Hausapotheke und bin besonders für die Computerarbeit verantwortlich. Ich gebe Patientendaten ein, erstelle Exeltabellen, nehme den Bestand auf,… Mit den Schwestern sowie den Angestellten des Krankenhauses verstehe ich mich sehr gut und das Arbeitsklima ist sehr angenehm.

Nach der Arbeit um 16 Uhr gehe ich seit dem ersten Tag in den Kirchenchor. Dort wird täglich 2h gesungen, was mir sehr viel Spaß macht. Auch dort wurde ich sehr willkommen aufgenommen und bin gleich mitten in die Osterprobenzeit gekommen.

Die Choruniform für Ostern ist bereits beim Schneider und die Proben laufen auf Hochtouren. Bereits 60 Lieder habe ich für die ganzen Gottesdienste in der Karwoche aufgeschrieben, denn es gibt keine Notenblätter. Jeder schreibt in sein Heft den Liedtext, die Melodie merkt man sich im Kopf. Trotz der anderen Sprache und der vielen Lieder bin ich irgendwie nicht überfordert. Es macht mir einfach richtig, richtig viel Spaß endlich mein Hobby wieder ausüben zu können.

Ich bin sehr froh, dass ich so gut hier in Kigonsera angekommen bin und freue mich auf die restliche Zeit hier. Besonders freue ich mich auf die Karwoche und das kommende Osterfest.

Liebe Grüße Louisa

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