Lars in Sarajevo

Freiwilligendienst in Sarajevo

Wie jeder Freiwillige bin auch ich mit vielen Erwartungen, aber auch Ängsten vor acht Monaten in meinen Freiwilligendienst gestartet. Rückblickend auf die vergangene Zeit in Sarajevo bin ich sehr glücklich und zufrieden. Meine Zeit hier ist geprägt von spannenden Aufgaben als Freiwilliger, einem super Umfeld und viel Spaß in meiner Freizeit.

Aufgaben als Freiwilliger

Vier Tage die Woche helfe ich in einer Schule für geistig behinderte Kinder. Dort unterstütze ich einen Lehrer als Assistent in seiner Klasse. Dabei übernehme ich alle Aufgaben eines "normalen" Lehrers, jedoch meist als intensive Betreuung auf ein Kind bezogen.

Freitags helfe ich in dem katholischen Jugendzentrum von Sarajevo, über dieses ist mein Dienst organisiert. Dort steht mir meine Mentorin immer als Ansprechpartnerin zur Seite, mit ihr zusammen habe ich am Anfang meines Dienstes auch meinen Einsatzplan erarbeitet habe, wobei sie sehr gut auf meine Wünsche eingegangen ist. Im angeschlossenen Kindergarten des Zentrums halte ich einmal die Woche eine Stunde Englischunterricht, bei diesem habe ich Spaß daran entwickelt mit den Kindern englische Kinderlieder zu singen (wobei ich meistens alleine singe) und mit ihnen passende Tanzbewegungen dazu zu machen, dies hätte ich mir vor meinem Dienst nie vorstellen können. Im Anschluss bereite ich meist meinem Deutschkurs für die nächste Woche vor, welchen ich zwei mal Nachmittags anbiete.

Umfeld

Ich wohne in einer Studenten-WG 200 Meter vom Jugendzentrum entfernt. Dies ist sehr praktisch. Zur Schule muss ich zwar ca. 30 Minuten mit dem Bus in die Innenstadt fahren, da die Bushaltestelle aber direkt vor der Haustür liegt, ist dies kein Problem. Zudem habe ich so die Möglichkeit nach der Schule nachmittags noch ins Jugendzentrum zu gehen und Abends habe ich es nicht weit in das Fitnessstudio des Zentrums. Freitags ist es super praktisch mal etwas ausschlafen zu können, da ich in 2 min auf der Arbeit bin.

In meiner WG lebe ich mit 10 bosnisches Studenten zusammen. Wir teilen uns 2 Küchen und 2 Bäder. Als Freiwilliger genieße ich neben 3 weiteren Bewohnern den Luxus eines Einzelzimmers. Die Jungs sind insgesamt echt cool und ich fühle mich dort wohl. Teilweise entspricht ihr Anspruch an Sauberkeit und ihr Verständnis von Nachtruhe zwar nicht ganz meinen Vorstellungen, aber ein eigenes sauberes Zimmer und Ohrstöpsel helfen dann schnell.

Ich bin wahrscheinlich einer der Auslandsfreiwilligen, welche die Landessprache am schlechtesten gelernt haben. Ich bin zwar mit anderen Erwartungen in meinen Dienst gestartet und hatte große Hoffnung schnell Bosnisch zu lernen, merkte aber schon an den schlechten Sprachkenntnissen meiner italienischen Vorgänger, dass dies schwierig werden würde. Bei meiner Arbeit im Jugendzentrum läuft alles auf Englisch und bei meiner Tätigkeit in der Förderschule bin ich meist in Klassen mit jungen Autisten, welche nur sehr wenig sprechen. Dadurch fehlt mir schlicht die praktische Anwendung des im Sprachkurs gelernten. Da ich aber vieles verstehe und ich auch alles wichtige auf bosnisch sagen kann, bin ich nicht allzu traurig. Auch in meinem persönlichen Umfeld sprechen alle Englisch oder Deutsch.

Freizeit

Sarajevo ist einfach nur mega cool. Die Stadt bietet alles, was man sich als Freiwilliger wünschen kann. Durch ihre spannende Geschichte, welche natürlich vor allem durch den Bosnienkrieg mit der langen Belagerung Sarajevos und der noch deutlich sichtbarem Spuren in der Stadt spürbar ist, ihrer religiösen Vielfalt, ihrer tollen Lage zwischen zwei Bergketten und ihrem großem kulturellem Angebot ist die Stadt einzigartig schön.

Wenn ich von meinen zahlreichen Wochenendtrips und Reisen wieder mit dem Bus nach Sarajevo reinfahre bekomme ich Gänsehaut und ein schönes Gefühl nach Hause zu kommen stellt sich ein. Ich hatte schon das Glück mehrere Städte in Bosnien zu besuchen und bin bereits nach Kroatien, Serbien, Ungarn und Rumänien gereist.

Vor allem bei meinen Mitfreiwilligen und meinen Mitbewohnern habe ich sehr guten Anschluss und sehr gute Freunde gefunden. Mit ihnen zusammen unternehme ich am Wochenende meist etwas, verreise mit ihnen oder wir gehen etwas trinken und feiern.
Unter der Woche reicht die Zeit Abends meist leider nur um zum Sport zu gehen, oder sich auf einen Kaffee zu treffen.

Lars

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